Freitag, 5. September
RomsdalenNach dem obligatorischen Frühstück fahren wir auf der E136 Richtung Südosten in das Romsdalen. Die Sonne strahlt uns vom blauen Himmel an und schon hat man richtig gute Laune. Und natürlich wirkt die Natur noch viel besser.
SlettafossenEinige Kilometer weiter erreichen wir den Slettafossen, wo wir natürlich nicht nur eine kleine Kaffeepause machen, sondern auch unsere Fotos/Videos.
Wir drehen um und fahren wieder zurück nach Andalsnes. Die Straße führt unterhalb des Trollveggen durch eine sehr beeindruckende Schlucht. Wenn man diese von Süden nach Norden fährt, werden die Berge immer höher und das Tal immer enger. Das ist schon sehr beeindruckend.
Wir biegen ab und fahren auf der nationalen Touristenroute zum Trollstigen. Hier sind wir 2012 schon einmal gewesen, allerdings hatten wir keinen blauen Himmel, sondern sind durch die Wolken gefahren und waren erst auf halber Höhe aus ihnen heraus.
TrollstigenOben angekommen parken wir unser Wohni auf dem riesigen neuen Gelände, das damals noch im Bau war – soweit wir das seinerzeit in dem Dunst erkennen konnten. Erst später in einem Bericht auf 3Sat haben wir erfahren, dass diese Passage angeblich die am meisten befahrene Touristenstrecke Norwegens ist. Das würden wir bei den Menschenmassen, die hier in der Nebensaison sind, bestätigen wollen. Die werden hier ja sogar mit Reisebussen herangekarrt.
Der Trollstigen wirkt nach dem Aursjoveien schon fast langweilig – wir sind wirklich versaut fürs Leben.
Wir fahren weiter Richtung Geiranger und machen noch einen kurzen Stopp am Gudbrandsjuvet, welche auch deutlich weniger Wasser führt und somit ihre Magie der ersten Tour eingebüßt hat.
Nach einer unspektakulären Fährfahrt und einem nervig schleichenden Norweger erreichen wir die Serpentinen, welche ins Tal nach Geiranger führen.
Jo, jetzt weiß ich, wie sich heiße Bremsen anfühlen, wenn die Bremskraft nachlässt. Selbst im zweiten Gang war keine Motorbremse spürbar und die Bremse musste reichlich herhalten. In Geiranger angekommen, haben wir am Hafen daher eine Pause eingelegt, damit sich alles etwas abkühlen kann. Während dieser Pause – wir hatten wollten den Campingplatz eigentlich boykottieren – entschlossen wir uns dann doch, auf dem Campingplatz einzukehren und hier zu übernachten. Er ist zwar mit 230 NOK echt frech teuer, aber die Bremsen können eine längere Pause gebrauchen und wir können einer richtigen Campingdusche den Charme nicht absprechen. Außerdem strahlt der Himmel nicht mehr so blau wie vorhin, und damit ist auf dem Dalsnibba – unserem nächsten Ziel – die Sicht mit Sicherheit auch nicht so dolle.
GeirangerAufgrund der Nebensaison ist reichlich Auswahl an Stellplätzen und wir nehmen einen der äußeren Plätze, wo wir Satellitenempfang haben, gerade noch das Camping-WLAN nutzen können und dennoch in erster Reihe am Wasser stehen können. Auch wenn das Wetter etwas umgeschlagen hat, laden die angenehmen Temperaturen aber doch irgendwie ein, und wir holen Tisch und Stühle raus und lassen den Abend gemütlich ausklingen.
Wir haben das WLAN mal kräftig ausgenutzt, und dabei hat Ute noch rausgefunden, dass die Motorbremse bei den Fiat-Transportern bei gewissen Neigungsgraden tatsächlich ein Problem ist und hier eigentlich nur der 1. Gang wirklich gut bremst, man dann aber mit 20-25 km/h schon fast eine Behinderung darstellt – wir werden es ausprobieren. 

Samstag, 6. Steptember
Ja, wir sind erst eine Woche unterwegs und haben schon sooooo viel erlebt und geistig schon dermaßen abgeschaltet, dass der Alltag schon eigentlich seit Tagen vergessen ist. Heute sagt die Wettervorhersage für den Dalsnibba “mostly sunny” voraus und wir brechen auf. 2012 lag oben an der Mautstation soviel Schnee, dass die Oberkante des Wohni (damals noch ein gemieteter Teilintegrierter) knapp unter der Schneekante war – also bummelig 3-4 m hoch. Das sieht jetzt natürlich ganz anders aus :D – nix mit Schnee! Wobei, doch auf den Gipfeln drum herum sind vereinzelte Flächen noch mit Schnee bedeckt. Wir zahlen unsere 100 NOK an der Mautstation und bestaunen den guten Zustand der Straße (frisch geteert). Wir erreichen den Parkplatz auf dem Gipfel (1.476 m ÜNN) und haben einen genialen Ausblick auf das umliegende Areal und auch bis Geiranger.

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gamle StrynvegenNach einer Kaffeepause brechen wir wieder auf und fahren südostlich Richtung Grotli, wo wir dann kurz vorher rechts auf den gammle Strynefjellvegen abbiegen. Diese Strecke war 2012 noch wegen Schnee gesperrt. Wir lassen die Berghütten hinter uns und es öffnet sich wieder eine Hochebene. Irgendwie hat jede Hochebene seinen eigenen Charme, dass ist schon echt erstaunlich. Aufgrund der Schotterstraße kommen wir natürlich nur sehr langsam voran und so machen wir auf 1.130 mÜNN eine kleine Kaffee- und Snackpause. In der Ferne hört man nur vereinzelt Vögel zwitschern und das Rauschen eines Wasserfalls – herrlich. Schön, dass es solche Flecken noch gibt, und wir trotzdem mit dem Wohni hierher kommen können. Ich ziehe meinen Hut vor den Menschen, die wir immer wieder mit dem Fahrrad oder zu Fuß mit Gepäck sehen. Klar, die kommen an sicherlich noch traumhaftere Ecken, aber ich bin schon sehr zufrieden mit dem, was wir erleben dürfen…. sorry, das Gesäusel musste jetzt mal sein :D

Nach einigen Kilometern verlassen wir die Hochebene und fahren auf der 258 weiter nach Stryn und von dort weiter Richtung Hellesylt. Wir verlassen die 60 und biegen links auf die 655 zum Norangsdalen ab.
NorangsdalenDiese Strecke durch das Tal ist, wie die auch Hochebenen, im Winter gesperrt. Hier befindet sich ein Dorf, welches 1908 durch eine Steinlawine verursachte Aufstauung (Lyngstolyvatnet) überflutet wurde. Man kann noch einige Grundmauern im See von der Straße aus erkennen – faszinierend.
Zunächst überlegen wir, in diesem Tal zu übernachten, was wir aber wegen der ganzen frischen Steinlawinen dann doch wieder verwerfen. Irgendwie hängen wir dann doch zu sehr an unserem Leben ;). Somit kehren wir am See um und durchqueren dieses enge Tal erneut. Wir verwerfen einen weiteren Rastplatz und stellen uns dann auf einem großen Schotterparkplatz in Hornindal nur wenige Meter vom Hornindalsvatnet. Welcher immerhin mit einer Tiefe von 514 m wohl Europas tiefster See ist.
HornindalsvatnetEin Fahrzeug des norwegischen Vegvesen gesellt sich den Abend noch zu uns. Wir sind zuerst etwas unsicher, ob wir hier stehen dürfen bzw. die was sagen würden. Da sich aber noch ein norwegischer Vollintegrierter zu uns gesellt, können wir so falsch nicht stehen. Später stellt sich heraus: Die haben dort eine abendliche Radarkontrolle eingerichtet und einige Autos rausgezogen :D. Alles große Prollkarren (tiefer, härter, breiter). Nicht, dass ich solche Autos ablehne, aber die sind für die meisten Straßen hier in Norwegen eigentlich eher ungeeignet. Zwar sind die Straßen oftmals besser als bei uns, und wenn hier etwas repariert wird, sehen die Provisorien besser aus als bei uns. Aber dennoch braucht es doch meist etwas mehr Bodenfreiheit, als es tiefer, härter, breiter bieten könnte ;)

Sonntag, 7. September
Wir frühstücken wieder mal bei einem grandiosen Ausblick!  Heute wollen wir an die Hoddevika und zum Kannesteinen. Hoddevika ist eine Bucht, welche mit denen auf den Lofoten vergleichbar ist und gerade bei Surfern sehr beliebt sein soll. HoddevikaWir fahren nach Westen Richtung Küste und biegen dann auf die 610 ab. Zuerst geht es noch am Fjord entlang, bevor wir nach Westen den Berg überqueren, um uns über kleine Straßen den Weg in die Bucht zu bahnen. Leider zeigt sich das Wetter heute nicht von seiner schönen Seite, aber uns ist das egal. Wir zahlen unsere 20 NOK für den Parkplatz am Strand und genießen den Ausblick bei geöffneter Schiebetür und einem warmen Becher Kaffee/Tee. In der Ferne sind wieder die Glöckchen von Schafen zu hören.
Uns zieht es weiter zum Kannesteinen, welcher sich Luftlinie ein paar Kilometer südlicher befindet. Aber auch nur Luftlinie ;) Zunächst fahren wir einen Teil der Strecke zurück und bleiben auch vorerst auf der Hauptstraße, auch wenn das Navi gerne rechts abbiegen möchte. Aber wir haben gelernt, nicht immer dem Navi zu trauen. Irgendwann gibt es einen ausgeschilderten Abzweiger nach Selje, der auch vertrauenserweckend aussieht – wir folgen ihm.
Von Selje folgen wir der 618 Richtung Måløy. Unterhalb der Hochbrücke entdecken wir eine V/E-Station und nutzen die Gunst der Stunde. Wir werden nicht zum letzten Mal hier sein, dazu später mehr!
KannesteinenWir folgen der Beschilderung zum Kannesteinen auf der sehr schmalen Küstenstraße. Wie hier der Linienbus durchpasst, ist mir zum Teil ein Rätsel. Wir haben ja zum Glück einen Kastenwagen, das ist zwar mit entgegenkommenden PKW auch nicht immer eine Freude, aber bislang gab es immer einen Weg. Ein Teil der Strecke erinnert uns irgendwie an die schmale Anfahrt nach Å auf den Lofoten.
Nahezu am Ende der Straße ist ein kleiner Parkplatz, von dem man nur wenige Meter über einen Steg zum Kannesteinen gelangt. Wir entscheiden uns, hier zu übernachten. Die ersten Minimücken haben den Weg in unser Wohni gefunden, mal gucken, wie wir morgen aussehen.

Montag, 8. September
Wir fahren zurück, zunächst am Fjord entlang Richtung Stryn, wo wir kurz davor rechts auf die 613 abbiegen. Wir erreichen einen typischen Nebenstreckentunnel, der mal wieder nur einspurig und in diesem Fall auch noch bescheiden einzusehen ist, da er lang und nicht gerade ist. TvinnefossenWir brauchen wegen Gegenverkehr zwei Anläufe, um überhaupt in den Tunnel einzufahren, und im Tunnel müssen wir auch nochmal wegen eines entgegenkommenden Fahrzeugs rangieren.
Es ist so um die 12 Uhr rum und die gut 1.400 m (eine Strecke) vom Parkplatz an der Schule zum Tvinnefossen sind nicht wirklich anstrengend, man könnte es einen lockeren Spaziergang nennen – ja, selbst für unsere Verhältnisse. TvinnefossenDer Ausblick auf den Fjord ist in großen Teilen wirklich wunderschön. Am Wasserfall angekommen – wie sollte es anders sein – waren wir fast etwas enttäuscht. Wir hatten andere Bilder mit deutlich mehr Wasser gesehen. Aber egal, trotzdem schön hier und wir haben sogar eine Geocaching-Box unter dem Wasserfall gefunden :) Nur blöd das wir keine Geocacher sind, obwohl wir es mal probieren sollten, so viel, wie wir rumkommen.
Wir fahren nach Stryn, wo wir vorgestern an der Esso eine V/E-Station gesehen hatten. Klar, wir hatten gestern erst alles durchgetauscht, aber das Wasser war irgendwie grünlich, und wir sind uns nicht sicher, ob es wirklich Trinkwasser gewesen ist. So erreichen wir die Station, und nachdem wir endlich dran waren, frage ich meine Frau, ob sie den Frischwasserdeckel schon geöffnet hat. Ich ernte einen der üblichen Blicke, wenn ich sie – wie so oft – fälschlicherweise verdächtige, und erhielt ein “NEIN”. Ich: “Ich auch nicht – f**k”. Von alleine abgefallen kann er nicht sein, also haben wir den wohl im 99 km entfernten Måløy liegen lassen. Das kommt davon, wenn man mal die Rollen tauscht und die Aufgaben des anderen macht, bzw. ich Honk den Autoschlüssel vom Deckel abgemacht habe, um den Wagen vom Entsorgungsschacht wegzufahren. Und ich Volldepp dann vergessen habe, nach der Wasseraufnahme den Deckel wieder zu schließen. Der geneigte Leser merkt sicher schon, ich war leicht erregt – und ich meine nicht in sexueller Hinsicht. Was gibt es nun für Möglichkeiten? Wir suchen einen Zubehörhändler und hoffen, dass die – zu einem norwegisch typisch überhöhten Preis – einen solchen Deckel und wir dann auch noch einen zusätzlichen Schlüssel am Bund haben. Oder wir fahren die 99 km zurück und gucken, ob der Deckel noch da ist – was ja immerhin eine 50/50 Chance wäre. Entweder habe ich ihn auf die Stoßstange gelegt (passiert mir manchmal), und dann wäre er definitiv weg, oder ich hatte ihn dort irgendwo hingelegt.
Wir haben aber das grüne Wasser erstmal noch abgelassen und klares Wasser getankt, auch wenn es wohl nach wie vor kein Trinkwasser war (lt. Aussage des angrenzenden Taxistands – also einem dort sitzenden Fahrer).
Ich schwinge mich also hinter das Steuer, mit einem minimalen Anflug von schlechter Laune (meine Frau meint “äußert aggressive Grundstimmung”) geht es die 99 km – 1,5 Stunden – wieder Richtung Westen. Natürlich grübelt man so vor sich rum… Was tun, falls er dann doch nicht mehr da liegt, weil ihn ein anderer gebrauchen konnte (auch ohne Schlüssel). Wir müssen dann ja trotzdem irgendwie gucken, dass wir einen neuen Deckel bekommen. Was mich ehrlich am meisten genervt hat: Dass ich die Strecke innerhalb von 2 Tagen 4x fahren darf/muss. So schön ist diese Küstenstraße dann auch nicht. Und alles nur, weil ich Vollidiot es nicht gesehen habe, obwohl ich gestern und auch heute schon mehrfach an dem Loch im Wohni vorbeigegangen bin – und da wären wir noch eher in Schlagdistanz gewesen. Aaaaaarrrrrggghhh!!!
Gegen späten Nachmittag erreichen wir (wieder) die V/E-Station in Måløy. Die Strecke und auch die Stadt sind in den letzten 12 Stunden nicht wirklich schöner geworden…. grummel. Wir steigen aus und….
Alle Anspannung legt sich, da ist dieser blöde Deckel.
img_1128Super, aber jetzt müssen wir ja noch wieder zurück, und eigentlich brauchen wir auch so langsam eine Idee, wo wir übernachten können. Ute hat sich glücklicherweise auf unserer ersten Anreise dieser Landzunge ein paar Notizen im Reisetagebuch gemacht.
Wir fahren wieder ein Stück von der Küste weg, ich möchte nicht an der Hauptstrecke übernachten. Der eine Platz erweist sich dann doch nicht als so geeignet. Ich habe jedoch kurz vorher aus dem Augenwinkel noch einen kleinen Weg gesehen, der zu einem See zu führen scheint. Also drehen wir wieder um und fahren dort hin. Mmmh, scheint der Parkplatz von zwei-drei Hütten zu sein. Allerdings wurde dort schon länger kein Rasen mehr gemäht und wir haben kein Wochenende… wir riskieren es einfach. So stehen wir gut 50 m von der Straße entfernt und leicht von Bäumen und Gestrüpp umringt – also etwas geschützt/versteckt.

Dienstag, 9. September
Ach, was haben wir gut geschlafen, nichts ist gestern passiert und alles ist in Butter :D
Gut, die Strecke nach Stryn ist trotzdem doof, aber es hilft ja nix. Weiter geht es – endlich – auf der 60 östlich am Jostedalsbreen vorbei. Unser nächstes Ziel soll der Bøyabreen sein, der sich am südlichen Ende befindet. Übrigens die vermeintliche Mautstation auf dieser Strecke scheint es nicht mehr zu geben – wir haben zumindest keine gesehen. BøyabreenAm späten Nachmittag erreichen wir den Parkplatz, welcher gleich nach dem Tunnel kommt und gerade von einigen Kühen belagert wird. Kühe auf Rastplätzen haben wir ja schon öfter gesehen, die waren aber meist abgelegener als dieser. Wir greifen uns die Kameras und gehen ein Stück, so dass die Gletscherzunge besser zu sehen ist. Wir hatten schon gelesen, dass sich der Jostedalsbreen, vielmehr die jeweiligen Gletscherzungen, in den letzten Jahrzehnten deutlich zurückgezogen haben.
Mit den Eindrücken im Gepäck fahren wir auf die westliche Seite des Jostedalsbreen, wir wollen zum Nigardsbreen. Da die Wanderung vom Parkplatz noch eine knappe Stunde dauern soll, steuern wir einen Campingplatz in Schlagdistanz an – ein richtig schicker Platz.
Kostenfreies WLAN für 170 NOK und ein neues Gebäude mit einzelnen Sanitärräumen und eine Küche mit mehreren Kochstelle und Waschbecken, die an einem großzügigen Gemeinschaftsraum angrenzen. Einziges Manko – hier scheint eine Hochschulklasse oder etwas ähnliches die Blockhütten zu bewohnen und entsprechend die Küche zu bevölkern. Na ja, wird schon werden.
Das Wetter wird besser, man kann schon wieder blauen Himmel zwischen den weißen Wolken sehen. Ich versuche, das technische Equipment auf einen aktuellen Stand zu bringen. Dabei war ich wohl – typisch männlich – geistig abwesend, als Ute meinte: “Wir könnten ja die Küche nutzen und so unser Gas sparen”. Ich entgegnete: “Das finde ich blöd, dann musst du ja die ganze Zeit dort in der Küche stehen und bist weg.” In dem Moment fand ich das einleuchtend…. Ute hat sich halb weggeschmissen. Irgendwie hab ich keinen Gedanken daran verschwendet, dass wir, wie eigentlich sonst auch, gemeinsam in die Küche zum Kochen gehen könnten. Die Technik war mal spannender als Futter – kommt auch selten bei mir vor :D
Der Abend klingt richtig schön und gemütlich aus.

Mittwoch, 10. September
Ich habe nicht ganz so viel von der nächtlichen Störung mitbekommen, zumindest bin ich immer wieder sofort eingeschlafen. Wenn ich richtig mitgezählt habe, war viermal ziemlich nah ein Hubschrauber zu hören. Ute berichtete, dass draußen auch alles hell erleuchtet gewesen sei. Zwar nicht direkt auf dem Platz, aber ganz in der Nähe. Mmmmmh – Klärung folgt hoffentlich, jetzt aber erstmal Frühstück.
Die Sonne scheint, kaum eine Wolke am Himmel… goil, was will man mehr, Tisch und Stühle raus und futtern.
Wir packen zusammen und brechen zum Nigardsbreen auf. NigardsbreenNach wenigen Kilometern geht es links ab und wir zahlen unsere 40 NOK für die letzten Kilometer zum Parkplatz am Nigardsbreen.
Boooaaaah, es ist schon noch ein ganzes Ende bis zum Gletscher, den man hier zum Anfassen nah erwandern kann. Aber der Anblick ist schon echt der Hammer – gut, das tolle Wetter tut sein übriges. Da kann man als Laie schon echt tolle Bilder machen, die für einen Werbeprospekt benutzt werden könnten. Wir ziehen die Wanderstiefel an, packen den Rucksack und ziehen los. NigardsbreenImmer entlang des Gletschersees, in dem zum Teil noch richtig große Eisklumpen schwimmen, nähern wir uns dem Objekt der Begierde. Die roten T’s, die wir schon von anderen Wanderungen kennen, sind leider nicht so häufig und dadurch nicht so eindeutig gesetzt, dass man schon hin und wieder von rechten Weg abkommt. Letztendlich sieht man ja aber, wo man hin will ;) Wir erreichen ein breites, ausgetrocknetes Bachbett, über das es eine Brücke gibt. Wir überqueren den Bach und gehen auf eine relativ glatt geschliffene, zum See hin abfallende Felsebene. Es ist schon noch ein ganzes Ende bis zum Eis, doch sieht man links und rechts die Felswände empor, kann man sich vorstellen, wieviel Eis hier mal gelegen haben muss. Ein Mitstreiter ruft uns etwas zu und zeigt den Weg zu einer weiteren Brücke, die wir überqueren sollen. Wir bedanken uns und folgen dem Hinweis. Ah, da ist ja die Brücke :D Das wird lustig: NigardsbreenEine Hängebrücke über einen extrem tosenden Gletscherbach. Attacke, ich greife mir Einstein – so was haben wir schon einmal zusammen gemeistert. Der Trick ist, möglichst sanft aufzutreten, damit die Brücke nicht anfängt zu wippen, dann hat Einstein auch weniger ein Problem mit der Brücke. Mit unserem alten Hund Rocky wäre das überhaupt nicht gegangen. Der ist selbst auf Betonbrücken fast auf den Boden gedrückt rübergerobbt. Anfänglich ist Einstein noch ganz mutig vor mir gegangen, aber auf halber Strecke ist er dann hinter mich gegangen…. aber wir waren beide Helden, als wir drüben gewesen sind  ;) Das ist Hundeerziehung: Voll abfeiern, wenn er etwas gemacht hat, was ihm aber nicht behagt hat.
So, nun muss nur noch Frauchen DA rüber. Tiiiiieeeef einatmen, leichte Grundspannung und rüber…. ;) , schließlich will FRAU ja an den Gletscher…Nigardsbreen
Kurze Orientierung, wo geht es lang? … Noch einen kleinen Bach mit einer mit Aluleitern und Holz gebaute Brücke überqueren. Nun trennen uns nur noch 100-200 m vom Eis, und wir sind am Ziel. Dieses tolle Blau – unbeschreiblich. Hier links am Gletscher darf man bis direkt an das Eis. Hier ist es nur ca. 10 m hoch. Etwas weiter rechts ist, den Tafeln nach zu urteilen, über 30 m hoch und daher droht hier die Gefahr von abbrechendem Eis. Wir hatten gelesen, dass dieses Jahr genau an der Stelle ein deutsches Ehepaar erschlagen wurde. Die sind allerdings über die Absperrungen hinausgeklettert. Und wer Norwegen kennt, weiß, dass der Norweger nur sehr selten absperrt und wenn, dann hat es wirklich einen Grund.
NigardsbreenWir sind zutiefst beeindruckt und gefesselt von diesen Massen an Eis. Wenn ich nur überlege, was bei uns mal in einem kräftigen Winter liegt, dann ist das hier – mit dem hier verglichen – ein Furz im Wind. Und wie ich schon anfangs sagte: Das muss mal sehr viel mehr gewesen sein. Hier, wo wir stehen, geschätzt 100 m dick. Allein zwischen 1930 und 1960 soll sich die Gletscherzunge um 2,2 km zurückgezogen haben.
Wir sind von Eindrücken nahezu erschlagen und treten den Rückmarsch zum Parkplatz an, von wo wir erst einen kleinen Abstecher in den örtlichen kleinen Laden machen. Hier entscheiden wir uns für TK-PIZZA zu je ~50 NOK (also 6-7 €) und dafür, auf dem Campingplatz wieder einzukehren – dort gibt es einen Backofen :)
An der Rezeption fragen wir, was denn letzte Nacht losgewesen sei. Wir erfahren, dass eine Schulklasse aus dem Dorfhotel in den Bergen vom Nebel/Wolken eingeschlossen worden war und den Abstieg nicht mehr geschafft habe. Der Hubschrauber habe dann den gesamten Trupp in Tal geflogen – oder so. Die nette alte Dame an der Rezeption sprach genau so gebrochenen Englisch wie wir und war zudem auch sehr schwer zu verstehen.
Die kommende Nacht kann somit eigentlich nur ruhiger werden, und wir werden uns gleich die Pizza schmecken lassen. Soweit die Theorie – Norweger müssen wohl sehr salzarm essen. Selbst die Dr. Oetker-Pizza mussten wir nachsalzen. Der Teig schmeckte, wie die bisherigen gegessenen Brote: Als hätte jemand das Salz vergessen… lasch und langweilig.
Egal :)

Donnerstag, 11. September
Wir sind noch immer von den gestrigen Eindrücken ergriffen, dennoch zieht es uns weiter. Wir fahren Richtung Südwesten nach Hella. Hier setzen wir auf die andere Fjordseite über und fahren weiter nach Voss.
BordalsgjeletHier besuchen wir zunächst die Touristeninfo, um uns weitere Prospekte der Umgebung zu organisieren und nach dem Weg zur Bordalsgjelet zu fragen. Nachdem wir nun beides in Händen halten (Weg in Form einer detaillierten Stadtkarte), brechen wir auf. Zwar hätte man auch von hier angeblich wunderbar dorthin wandern können, jedoch musste überall die Parkgebühr im Voraus bezahlt werden. Da wir nicht wussten, wie lange wir unterwegs sein würden, hätten wir die Zeit grob abschätzen müssen und entsprechend viel in den Automaten stecken müssen. Insofern fuhren wir knapp 10-15 Minuten bis zur Schlucht mit dem Auto.
Kleine Info für andere Mobilisten: Der Parkplatz zur Schlucht ist zum Übernachten nicht wirklich geeignet – extrem abschüssig.
Wenige Meter neben dem Parkplatz gehen wir durch eine Pforte, und schon fängt uns die Atmosphäre dieser Schlucht ein. Links und rechts ragen die steilen Felswände empor, der schmale Pfad, der immerhin mit einem Stahlzau gesichert ist, führt nahezu am Abgrund entlang, wo man in der Tiefe das Wasser rauschen hört.
Wir fahren zurück Richtung Norden und biegen dann rechts nach Gudvangen ab. Hier liegt auch die Stalheimskleiva, welche wir dieses Mal leider nicht ansteuern. Richtung RimstigenWir fahren weiter nach Gudvangen, wo wir von einer kleinen Straße (am Fjord bis Rimstigen) gelesen haben, von der man auch einen Teil des tollen Fjordes erleben kann. Normal wird immer empfohlen, die Fähre Kaupanger <-> Gudvangen zu nehmen, die aber nichts für den kleinen Geldbeutel ist. Wir hatten überlegt, erstmal einen Teil von der Landseite zu beschnuppern. Die Straße findet man direkt links neben dem Fähranleger in Gudvangen. Gleich zu Beginn der Strecke durchqueren wir einen Tunnel, vor dem eine Ampel steht. Den Text unter der Ampel können wir so schnell nicht komplett übersetzen und fahren deshalb einfach hinein, da die Ampel grün war. Wir haben es für uns als einen einspurigen Tunnel mit Verkehrssteuerung durch eine Ampel interpretiert. Er ist allerdings gut ausgebaut und mit Ausweichbuchten versehen, was uns schon stutzig macht. Auf der anderen Seite begrüßt uns eine sehr schmale Straße durch das schmale Fjordtal. Nach 2-3 Kilometern haben wir die Chance einer Wendemöglichkeit genutzt, da die Strecke für unseren Kastenwagen schon ziemlich grenzwertig ist und für breitere Wohnmobile unserer Ansicht nach völlig ungeeignet ist – das ist eher etwas für einen T5, Nugget oder PKW. Auf der Rückfahrt ist die Ampel wieder grün, und nun haben wir die Erklärung für die Beschilderung “kuldeport”: Es gibt hier (warum auch immer) Kälteschutztore, welche in unserem Fall geöffnet waren.
irgendwo auf der 50Es geht weiter westwärts durch den Gudvangentunnel, in welchem von 11 km Strecke ca. 2 km unbeleuchtet waren – das ist dann schon gruselig, vor allem bei dem starken Gefälle. In Aurland fahren wir Richtung Südosten auf die 50, da der Schneeweg wegen Bauarbeiten seit Anfang September leider gesperrt ist. Wir schrauben uns wieder hoch auf das Fjell und suchen einen geeigneten Übernachtungsplatz. Viele Möglichkeiten sind schon durch Norweger belegt, aber auch wir werden an einem der Stauseen fündig.